Ende eines Blogs, und Publikumsbeschimpfung

Habe aus Anlass eines gemeinsamen Mandats mit dem Autor eines juristischen Blogs gemailt, das leider in der Versenkung verschwunden ist. Leider, denn das Blawg war juristisch exzellent.

Ich habe mich nach den Gründen für den frühen Tod des Blogs erkundigt. Die Antwort: keine Zeit, außerdem zu viel Exposure.

Ersteres verstehe ich gut. Ein Dauerthema. Aus meiner persönlichen Sicht eine Frage der workflows, Technikaffinität und letztlich: Nerven. Aber jeder regelt das so, wie es passt.

Mit zweiterem hadere ich. Die Vertreter eines klassischen Modells juristischer Mikropublizistik (“Die aktuelle Mandanteninformation”) werden nicht müde, dem Medium Blog a) Irrelevanz zu attestieren und jedenfalls b) ein alsbaldiges Ende in Aussicht zu stellen. In Punkt b) hat sich diese Kritik offensichtlich überlebt.

In Punkt a) hat der Mainstream zu Punkt b) entweder Recht. Dann stellt sich die Frage nach der risk exposure nicht. Oder er hat Unrecht, dann ist sie im Wesentlichen eine Frage der Themenauswahl und -bearbeitung.

Im Grundsatz nicht anders als bei einem Aufsatz, Zeitungsinterview, Vortrag oder einer Kommentierung. (In meiner Praxis kam das Thema nur ein Mal auf, nicht aus Anlass des Blogs, sondern wegen eines Artikels in der EuZW.) Mit einem Unterschied. Aufsätzeschreiben – und wieder einmal: ich sehe das komplementär, nicht substitutiv – macht Knowhow per Schlaglicht sichtbar. Bei der Bloggerei werden Stärken und Schwächen sichtbar. Fakin’ it? Das wird nicht klappen.

Was denken Sie als Konsument, die Sie sich hier passiv berieseln lassen: Hat der Kollege Recht?

Kommentare

  1. Roy Snyder meint

    Was meinen Sie mit Exposure, was soll denn aufgedeckt werden? Ihre persönliche Rechtsansichten, der Zusammenhang mit aktuellen Mandaten? Also dass sie vor allem über Themen bloggen, die Sie gerade auch beruflich beschäftigen und sich dann in ihren Rechtsansichten hier angreifbar machen?

    Dann dürften Sie sich ja auch auf Konferenzen o.ä. nicht mehr mit Kollegen fachlich unterhalten…

Ihre Meinung?

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>