Vielleicht haben Sie sich gewundert, warum im Kartellblog. nichts zur neuesten Auflage der EU-Saga namens “Geldbußen: von Rekord zu Rekord” zu lesen war. Der Grund ist simpel. Zu Hintergründen und Einzelheiten des Verfahrens ist wenig bekannt. Bemerkenswert ist auf Grundlage der Pressenachricht der Kommission allenfalls, dass hier offenbar ein chinesisches Unternehmen der Kronzeuge war.
Es bliebe also nur, abermals von der schwindelerregenden Höhe der Bußen zu berichten. Ich hatte aber keine Lust darauf, Kartellblog. (wieder) zum Rädchen in einer Maschinerie zu machen, die ganz auf den Eindruck setzt, dass die Höhe von Unternehmensbußen wegen Kartellverstößen etwas mit Abschreckung vor Kartellverstößen zu tun hat.
Und falls Sie jetzt sagen, aber die Abnehmer haben doch “viel zu viel” bezahlt:
- Kennen Sie einen empirischen Beleg dafür, dass die gigantischen Bußgelder der letzten zehn Jahre die Compliance verbessert haben?
- Schadensersatzklagen der Abnehmer folgen so sicher wie das Amen in der Kirche.
- Geldbußen reparieren den Schaden beim Verbraucher nicht.
- Und: Wer, denken Sie, bezahlt denn letztlich die Geldbußen? Sie und ich natürlich.
Jede Wette: Sie könnten sich heute, Montag, nicht besser und nicht schlechter an diese Schlagzeile aus der letzten Woche erinnern, wenn sie drei Nullen weniger enthalten hätte.

Die Abschreckungswirkung ist wirklich ziemlich fraglich… da wären Haftstrafen für die handelnden natürlichen Personen glaubwürdiger in DE. Vor allem im Vergleich zu volkswirtschaftlichen Witzdelikten wie Insiderhandel o.ä.