Ist Kartellblog. ein Euroblog?

Ich lese Spiegel Online nicht. Außer, wenn ich Grund dazu habe. Z.B., wenn die Blogstatistik plötzlichen Zustrom von Blog-Besuchern von SPON vermeldet.

Kartellblog. wurde dort verlinkt. Dafür ein Dankeschön an den Autor des Artikels, Ronny Patz, dessen Blog ich ihm Reeder habe.

Er vermeldet ein Defizit: In Blogs sei zu wenig über die Eurokrise zu lesen. Diesen Missstand (jawoll, der Duden sagt, das wird so geschrieben) kann ich nicht bestätigen. In den Feeds sehe ich mehr davon, als ich in Kaffeepausen verkraften könnte.

Aber der Missstand sei ein ungleich fundamentalerer. “Die” Politiker

werden sich auch in umwelt-, finanz- und entwicklungspolitischen Fragen einer europäischen Blogosphäre gegenüber sehen, in der europäische Debatten geführt werden, die Einfluss auf die Politik in ganz Europa haben.

Nanu. Ein bislang kaum beachtetes Randphänomen, die Euroblogger, werden also die Politik aufmischen. Ich bin gespannt, wie das von sich gehen wird. Man wird also

mit Hilfe von Google Translate oder über spezielle mehrsprachige Plattformen europäische Diskurse anstoßen und am Leben halten.

When hell freezes over.

Allerdings klingt dieser Post nun skeptischer, als er gemeint ist. Es gibt (bzw. gab) Blogs, die aufhorchen lassen. Mit weltphilosophischem Bedenkenallerlei wird eine “europäische Blogosphäre” aber wohl nicht zu bewerkstelligen sein. Jedenfalls nicht ohne akribische Recherchen etc. Allzuviele Euroblogger traten mit großem Anspruch auf die Weltbühne, die das Internet ist, und erlagen dann dem reblogging, retweeting und general aufsammeling & wiederkauing.

Good luck, Herr Patz. Sein Artikel klingt mehr als Abgesang auf denn als Motivationsfanfare für die alsbaldige Erstellung einer bloggenden €-Öffentlichkeit.

Was das mit Kartellblog. zu tun hat? Eigentlich nichts, aber auf SPON ist zu lesen:

Einige Blogs beschäftigen sich regelmäßig mit spezifischen EU-rechtlichen Fragen …

Das tut Kartellblog., ja, und nicht jedem hat das gefallen. Ein Euroblog? Nein. Sondern nur ein Schlaglicht neben vielen anderen auf die Realität der Union und die Merkwürdigkeit ihres Anspruches.

Und damit wünsche ich Ihnen ein fröhliches und entspanntes Wochenende.

Kommentare

  1. meint

    Ich musste für diesen “Debattenbeitrag” irgendwie versuchen, die Gedanken von 10 langen Blogposts und der Vorbereitung für meinen #rp12-Talk in unter 5000 Zeichen zu packen, und ich gebe zu dass die Argumentation nicht perfekt ist. (Aber wahrscheinlich ist das auch ein Ziel von SPON bei Debattenbeiträgen.)

    Ein bislang kaum beachtetes Randphänomen, die Euroblogger, werden also die Politik aufmischen.

    Nicht die bisherigen Randphänomen-Blogger werden/sollen das tun, sondern eine – durchaus als Wunsch formuliert – eine erweiterte europäische Öffentlichkeit die sich der a) der Bedeutung europaweiter politischer Prozesse bewusst wird und b) die Möglichkeiten digitaler Kommunikation nutzt, um bisher bestehende getrennte Sphären langsam zu verbinden. Nicht, um “Euroblogs” zu werden sondern um europäisch(er) zu bloggen.

    Das Problem an dem Artikel ist der Titel, der nicht von mir sondern von der SPON-Redaktion ist. Was vielleicht auch daran liegt, dass ich es im Artikel nicht deutlich genug gemacht habe. Eigentlich wollte ich sagen, dass die Wirtschaftskrise das einzige ist, was überhaupt zur Erweiterung des “eurobloggens” geführt hat, weshalb insbesondere in der wirtschaftspolitischen Blogosphäre europäischer diskutiert wird.

    Das heißt aber noch lange nicht, dass deshalb auch schon eine europäische Blogosphäre für solche Diskussionen entstanden ist, weil die, die sich in Blogs mit der Krise befassen in der Regel nicht wirklich auf (Blog)Diskussionen in anderen Sprachen oder aus anderen Ländern eingehen, zumindest soweit ich das beobachten kann. Und das heißt auch nicht, dass in anderen Politikbereichen – etwa der Agrarpolitik – relevante europäische Diskussionen in Blogs stattfinden würden.

    Ob ich da letztendlich optimistisch oder pessimistisch bin, weiß ich selbst gar nicht so recht. Plattformen wie Presseurop, die ich in dem Beitrag erwähnt habe, sind zumindest ein Hinweis, dass europäische(re) Diskussionen möglich sind, die Frage ist, ob sie sich als Hubs für die digitale politische Sphäre entwickeln können. Oder ob es irgendwann echte europäische politische Persönlichkeiten geben wird, an denen sich die Debatte reiben kann, und die nicht irrelevant sind/scheinen wie ein Barroso.

    Und vielleicht spielt da eine gewachsene europäische Blogosphäre ja eine Rolle. Wissen tue ich das nicht.

  2. meint

    Danke für die Klarstellung. Alles eine Frage der Definition – Euroblog, weil Politiker in Europa in Wallung versetzend; Euroblog, weil im offenen Austausch mit Blogs aus anderen MS stehend; und/oder Euroblog, weil sich (auch) mit europäischen Themen beschäftigend. Ich verstehe jetzt besser, was Sie mit Ihrem SPON-Beitrag gemeint haben.

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