Grüße aus dem “Zoo”

Wenn das Arbeitstier auszusterben droht, täte man gut daran, die Haltungsbedingungen zu verbessern – sonst ist es im Zoo nämlich bald furchtbar einsam.

Zitat aus Spiegel Online gestern, “Aussterbende Art Arbeitstier” von Constantin Baron van Lijnden. In dem Artikel geht es um die Work/Life-Balance junger JuristInnen in Großkanzleien.

Ich sitze hier in einem solchen “Zoo” und plausche mit einem solchen “Arbeitstier” im Gespräch über solche “Haltungsbedingungen”. Einsam fühlt sich anders an.

Genug vom Brehms Thierleben. Die massenhaften Retweets haben mich neugierig gemacht. Neueste Erkenntnisse?

Nope. Zuerst kam der Text in der Legal Tribune Online, am 31. Januar 2012. Aufgezogen war er mit der Studie “The Next Generation Law Firm” der niederländischen Consulting-Firma Temporal Tanja Consulting (mittlerweile Venturis Partners) in Kooperation mit Taylor Wessing. Wenn ich die Einleitung der Studie richtig verstehe, war sie für die Niederlande aufgesetzt, Taylor Wessing hat den deutschen Teil gesponsert.

Die Studie ist nicht datiert; die jüngste Publikation im Literaturverzeichnis ist von 2009; die URL für das PDF bei Venturis nennt 2010. Arbeitszeiten etc. sind eines der Themen, denen die Studie (insgesamt 26 Seiten) nachging. Neben HR ging es ihr um “operational excellence”, “governance” und mehr. Sie ist lesenswert, wenn sie auch die Methodologie nicht näher erklärt – “brainstorm sessions”, “participants were asked to describe the ideal law firm of 2020″ – und das Sample nicht beziffert.

Azur hat im August 2011 über die Studie berichtet. Im April 2011 hatte SPON (Karrierespiegel) die Sache in einer Fotostrecke. Juve Rechtsmarkt ging auf work/life im Heft 2/2011 ein. Das “großformatige Special” von Azur, das der SPON/LTO-Artikel anspricht, kenne ich nicht. Sie?

Nicht wirklich neu also, aber ein wichtiges Thema. Über das man in aller Ruhe sprechen sollte.

Kommentare

  1. Roy Snyder meint

    Ganz unabhängig von irgendwelchen Studien beschreibt der Autor in diesem Artikel aber m.E. leider ziemlich zutreffend, was wirklich der ausschlaggebende Grund gegen die Arbeit für Großkanzleien ist, wenn man die entsprechenden Noten hat (dafür spricht allerdings ergänzend noch, dass es im Zweifel dort die interessanteren Mandate und fähigeren Kollegen gibt). Aber sich den Aufwand zweier Staatsexamina und ggf. einer Promotion gönnen, um dann regelmäßig seinen kleinen Kindern nur per Skype um 20:45 Gute Nacht zu sagen? Muss man schon sehr viel Wert auf Geld legen, und geht überhaupt auch nur, wenn es nicht so ein spassbefreiter “Jeder-gegen-Jeden” Laden mit Abo auf Choleriker-Partner ist.

    Gibt es da nicht sogar Studien, dass im Allgemeinem ab einem Einkommen von ca. 60.000 € durch einen weiteren Gehaltsanstieg kein entsprechend gleichwertiger “messbarer Lebensglückszuwachs” festgestellt wird?

  2. meint

    Anonymus – danke. Die Sache mit “unabhängig von irgendwelchen Studien” sehe ich anders (Überraschung, den Rest auch). Das Thema ist emotional, angespannt, gereizt, ich weiß nicht warum. Da wäre es gut, wenn Studien ein paar Dinge klären könnten.

  3. Potentielles Arbeitstier meint

    In der Tat enthält der Beitrag sachlich wenig Neues und gerade die Sachlichkeit und neue Fakten würden nach m.A der Diskussion gut tun.

    Das Angebot der GKen ist ein Angebot der Extrema, sowohl was die Vorteile als auch was die Nachteile angeht. Vermutlich sind es diese Extrema, die so polarisieren. Dabei wird meiner Meinung nach etwas zu schnell vergessen. Dieses Angebot steht bei Weitem nicht allen Jura-Absolventen zur Verfügung und viele von ihnen wären froh, ein solches Angebot zu bekommen. Für Absolventen vieler anderen Studiengänge stellt sich die Frage über solche Angebote gar nicht, selbst wenn sie gern darauf eingehen würden; ganz zu schweigen von denen, die keinen Hochschulabschluss haben.

    Die Aufregung über die GKen kann ich nicht nachvollziehen. Jemand, der/die zwei gelungene Staatsexamina und ggf. eine Promotion hat, sollte in der Lage sein, anhand des eigenen Wertekanons zu entscheiden, ob und für wie lange er/sie ein solchen Angebot annehmen möchte. Ggf. kann man in der Verhandlung versuchen, die Extrema etwas zu glätten. Die Entscheidung pro oder contra die GK bleibt aber nach wie vor ein Luxus-Problem der Wenigen, die bei aller Anerkennung der dafür geleisteten Arbeit auch viel Glück – und damit meine ich in erster Linie nicht Prüfungsglück – gehabt haben.

    Unabhängig davon, wie man sich entscheidet, sollte man dieses Glück schätzen können. Negative Emotionen sind hier absolut fehl am Platz. Wem das Angebot nicht zusagt, sollte sich darüber freuen und in aller Ruhe ablehnen.

    Als letztes würde ich mir dabei Sorgen um die GKen machen. Sie sind geschäftstüchtig genug, bei Bedarf Ihre Geschäftsmodelle an die geänderten Arbeitsmarktbedingungen anzupassen.

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