#Twitter für Anwälte? Kommt darauf an.

Tracy Coenen praktiziert in den USA im Bereich Litigation Support/Forensic Accounting. Sie hat früh (seit 2005) ein juristisches Blog aufgebaut und war dann auch emsige Nutzerin von Twitter.

War. Coenen hat ihren beruflichen Twitter-Account eingestellt:

I am saying good-bye to Twitter. It has been the single biggest waste of my time over the last 2.5 years. Don’t believe the hype.

Sie hat diesen Schritt in ihrem Blog erklärt: “Why I’m quitting Twitter (and you should too)”. Später kam ein Nachtrag dazu: “Why blogging is better than Twitter for lawyers and accountants”.

Die Artikel sind gut geschrieben. Sie tun wohl, weil man als Anwalt gebetsmühlenhaft vorgesungen bekommt, dass man auf Twitter “sein muss”. Das ist so natürlich Quatsch. Schön, dass das jemand klar sagt.

Nun, auch ich bin auf Twitter und ich habe Spaß dabei. Weil mir das Tempo gefällt, weil ich dort interessante Leute kennenlerne und immer wieder über Themen und Nachrichten stolpere, die mich persönlich interessieren und die ich ohne Twitter übersehen würde.

Coenen sagt nicht, dass Twitter für solche Zwecke nichts taugt. Sie sagt aber, dass Rechtsanwälte über Twitter keine Mandate generieren. Das sehe ich auch so. Jedenfalls bis jetzt: Oder sagen mir die Kanzleianwälte unter Ihnen, bei Ihnen ist das anders? Mit Beispielen?

Beispiele würde ich gelten lassen, nicht aber den ewigen und ewigen sinnfreien Einwand, dass es am Anwalt/der Anwältin liegt, wenn es ihm/ihr nicht gelingt, Twitter für sein/ihr Client Development nutzbar zu machen. Ein Stein wird nicht zu Gold, da kann man so lange an ihm herumpolieren, wie man will.

Sehen Sie sich die beiden Artikel an und auch die Kommentare dazu. Dort hat Coenen nachgelegt:

I find it interesting that the only people … who are really saying that Twitter is critical to marketing efforts, are people who own marketing companies and who promote Twitter to their clients (i.e. the use of Twitter affects your revenue stream.) I’m not saying you’re doing anything wrong, deliberately or not, but I am saying that you have a vested interest in people using Twitter, regardless of their results from it. A few others have said they like Twitter, but none can cite any actual business development benefit from it.

Mehr zum Thema hier, hier, hier und hier.

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Kommentare

  1. Stefan meint

    Danke für die Links, mann muss da in der Tat genau nach den Motiven unterscheiden. Twitter ist sicherlich irgendwie gut für den Footprint im Internet, aber dass da schon Mandate acquiriert wurden glaube ich im Leben nicht.

  2. Claudia meint

    Hallo,

    ich bin Journalistin und twittere, weil es mir Spaß macht und weil ich meine “Textfertigkeiten” auch hier präsentieren kann. Ich bekomme hierüber übrigens ab und an auch neue Aufträge. Doch zurück zum Thema: Ich folge auch einigen Anwälten, zum einen, weil deren Tweets witzig sind, zum anderen aber auch, weil sie für mich in rechtlicher Hinsicht oft interessant sind (berufsrechtliche Aspekte).

    Kürzlich wurde bei einem meiner Artikel gegen das Urheberrecht verstoßen. Ich habe einen meiner Twitter-Anwälte, der mir in Sachen Urheberrecht – nicht zuletzt wegen seiner Tweets – versiert erschien, mit der Geltendmachung meiner Rechte gegen einen großen Verlag beauftragt. Und: Wir haben gewonnen!

    Insofern denke ich, dass Anwälte durchaus auch Mandate über Twitter generieren können – ob man hier allerdings investierte Zeit und akquirierte Mandate objektiv gegenüberstellen kann, wage ich zu bezweifeln.

    Twitter rein aus Akquiseaspekten zu benutzen halte ich für unrealistisch – aber wer ohnehin gerne twittert, kann diesen Akquisekanal auf jeden Fall “mitbenutzen”.

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