Off topic: “ZDF Zoom” auf Abwegen

Ich war gestern Abend unser Babysitter und habe den Fernseher angemacht. Da lief im ZDF “Zoom” und lag mächtig daneben. Es ging darum, wie nackt wir im Internet sind. Ja sind wir. Denn zu Beginn der Sendung liefen Nackte durch eine Fußgängerzone. Demselben Effekt folgte der Rest des Programms.

Da gab es sogar einen Professor. Der in der Lage ist, aus dem Internet über Nutzer Daten zu ziehen, die Nutzer dem Internet übergeben haben. Und einen weiteren Professor, der weiß, dass Juristen “die Legastheniker des Fortschritts” sind.

Der Gipfel war die Aufdeckung der Tatsache, dass es Social Monitoring Tools gibt. Dass Unternehmen die Meinungen von Menschen über die Produkte ebendieser Unternehmen herausfinden können – unerhört. Und überhaupt, ein User setzt in der Sendung einen Tweet darüber ab, dass er auf dem Weg zum Ort X ist. Siehe da, “tatsächlich, da ist er”, ruft aufgeregt die Reporterin.

Und die Moral? Von Professor 2 ist dazu nichts zu hören. Professor 1 erklärt jedoch, dass nichts tun genau so gefährlich sei wie etwas zu tun. Man müsse sich – wir sind in Deutschland, wie könnte die Moral eine andere sein – mit dem Thema “aktiv auseinandersetzen”.

Aufgemerkt, betreiben Sie aktives Profiling bitteschön. (Und vergessen Sie dafür nicht die hübschen Werkzeuge, die das eben noch geschmähte Internet Ihnen dafür zur Seite stellt.)

Hat mir um den Rest des Fernsehgenusses nicht leid getan, als im Kinderzimmer Leben aufkam.

Falls Sie sich die Pein der Sendung über die ZDF Mediathek antun wollen, sie lief gestern um 22.45 Uhr.

Kommentare

  1. meint

    Hallo,

    auch ohne Kind bin ich abends über die Sendung gestolpert und kann mich dem obigen Beitrag nur anschließen. Interessant fand ich die (gestellte) Versuchsperson, die zufällig *Zwinker Zwinker* auserkoren wurde, um über sie ein Onlineprofil zu erstellen. Jene Person war in so ziemlich allen großen Netzwerken vertreten, die es gibt + eigenen Blog (mit entsprechenden Impressum). Man fragt sich, ob dieser Mann auch ein “Offlineleben” hat. Da brauch es auch keinen Professortitel, um hier ein Profil zu erstellen.

    Na und das die Reporterin von all den bereits bekannten Fakten über Datenschutz, Monitoring etc. völlig hin und weg war, war mehr belustigend. Da wollte man sie eigentlich nur in den Arm nehmen und ihr sagen, dass das alles doch gar nicht so neu ist. Doch lieber solch einen leicht oberflächigen, mit Schleichwerbung angereicherte “Aufklärungsfilm”, als dass wieder eine 15jährige 15.000 Fremde zu ihrer Geburtstagsfeier einlädt und der Steuerzahler den Polizeieinsatz bezahlt…

    Grüße

  2. Benito meint

    Ich fand am schlimmsten, diesem völlig unqualifizierten Standesbeamten das Schlusswort zu überlassen: “Das Internet ist ein rechtsfreier Raum. Das weiss doch jeder”

Trackbacks

  1. [...] Das passte nur leider so gar nicht in das Konzept der Sendung und wurde auch nicht weiter thematisiert. Es verwundert wenig, dass der vom ZDF “gestalkte” sich über die Sendung prompt öffentlich in seinem Blog enttäuscht zeigte. Auch die in der Sendung präsentierten Professoren waren nicht überzeugend, wie der Kollege Zöttl zurecht anmerkt. [...]

  2. [...] Wie immer gilt: wenn mir eine Dienstleistung wirklich nutzt, also beispielsweise Nachrichten mit Bekannten teilen (Facebook), öffentliche Pinnwand (Twitter etc.), Leute real treffen können (Foursquare etc.), sich beruflich austauschen (Xing etc.), über Videos diskutieren und hochladen (Youtube etc.) und andere, dann habe ich den Preis in Form von Information dafür zu entrichten. Ich freu mich heut noch über die Möglichkeit, meine alten öffentlichen Postings aus dem Fido-Net von Mitte der Neunziger nachlesen zu können. Foursquare dagegen nutze ich derzeit nicht, weil der Mehrwert für mich ganz persönlich nicht gegeben ist. Ja und? Auch Laurent Meister ist nicht wirklich begeistern vom dem, ebensowenig wie Johannes Zöttl. [...]

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