Pro und contra – anonyme Anwalts-Blogs

If you can’t stand the heat, then get out of the kitchen.*

In britischen Blawgs wird zur Zeit diskutiert, was dafür spricht, dass Anwälte/Juristen bloggen, ohne ihre Identität preiszugeben. Ernsthaft habe ich mir das für Kartellblog. nie überlegt. Natürlich, jeder Blogger muss diese Abwägung für sich und sein Blog selbst treffen. Mir erschien es aber immer merkwürdig, wenn Juristen sich per Blog in die Öffentlichkeit bewegen, sich dort dann aber so aufstellen, als hätten sie es nicht getan. Kommt es letztlich wirklich nur auf die Qualität eines Blogs an und nicht darauf, ob es einen “echten” Namen hat? Bei einem Blog über … Lyrik wäre es mir vermutlich egal, wer da schreibt und warum. Aber bei Anwälten will ich wissen, wer mir virtuell gegenüber sitzt.

Trotzdem, ein objektives richtig oder falsch gibt es zu dem Thema nicht. Und ich verstehe jetzt zwei Argumente für’s Anonym-Bloggen besser, ohne sie zu teilen; weil das juristische Blog The Bizzle sie schön erklärt (“The man who wasn’t there”). The Bizzle ist eines der interessantesten Jura-Blogs, die ich in Großbritannien kenne. Es ist anonym (ein anderes gutes Beispiel von der Insel ist Travis The Trout). Autor/in des Blogs ist ein/e Inhouse-Jurist/in, dessen/deren Identität auf der Insel offenbar ein offenes, aber allseits geachtetes Geheimnis ist.

The Bizzle erklärt die Anonymität mit zwei guten Gründen. Erstens: “I’m oddly self-conscious about my writing” – das, finde ich, ist ein persönlicher Grund, den man respektieren sollte. Und:

I work in a slightly unusual field. There is very little public perception of my employer, so there’s no brand issues here – except that that’s kind of the point. Even though I’m disclosing no secrets, I don’t want to connect my blog to our name, or to our clients.

Wenn das so ist und der Arbeitgeber (bzw. der Compliance Officer) von seinem Glück auch weiß, verstehe ich die Entscheidung irgendwie. Zumal The Bizzle hübsch erklärt, warum es das Bizzle-Blog trotzdem gibt:

I’m not interested in building a personal or professional brand (some would say luckily, given the, um, talent on display here). If I had one, I wouldn’t know what to do with it.

So why write at all? Well, because I enjoy it, I suppose, and because I want to challenge myself …

Wie gesagt, ich kann das nachvollziehen. Aber wer A sagt, muss auch B sagen. Irgendwann fliegt die wahre Identität auf; das scheint mir bei jedem Anonymus nur eine Frage der Zeit zu sein. Also müssten anonym bloggende AnwaltInnen so schreiben, dass sie sich nicht in Grund und Boden schämen müssen, wenn ihr Name irgendwann von irgendjemandem herausgewurmt wird. Warum dann aber nicht gleich mit Klarnamen bloggen?

Und zweitens heißt anonym als Blogger auch anonym als Mensch. Dazu aus einem Artikel von Miss TS (ein anonym bloggender solicitor trainee):

There is the reverse downside to being anonymous. While I can’t be found for the wrong reasons I also cannot be found for the right ones. If someone is particularly impressed with my writing or tweeting (you never know!) I can’t personally take the glory, or the work if that was being offered.

Und aus den Kommentaren bei Ashley Connick (von Nearly Legal, vormals anonym):

I was finally outed in 2008, just after I qualified. Happily my firm were very happy about it. The trouble is that my identity on the blog was by that time very firmly established as NL. It would have been a major change to the whole tone of the blog and community that had grown up there to start writing under my own name. So, I found myself in the rather odd position of wanting to take some credit for the blog, but not actually being able to do it via the blog.

Housing law is a small world, so (thankfully) who NL ‘really was’ got circulated and it has certainly done my career no harm, quite the reverse, but my name is not out there for prospective clients etc. who read the blog. It is therefore a well read anti-marketing vehicle. Not getting people contacting me through the blog may or may not be a bad thing, of course, considering the number of people who already demand free advice and/or are at a tangential relation to reality.

Für mich ist das letztlich eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wenn ein Text aus meiner Sicht nicht dafür taugt, mit mir assoziiert zu werden, dann hat er in meinem Blog nichts zu suchen. Und wenn ich bei dieser Einschätzung falsch liege, dann stehe ich auch dafür mit meinem Namen ein. Da hilft dann nur ein Sorry und nicht die Anonymität.

* Quelle: Lat, ATL.

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