Kartellblog., das ungeplante Kind, hat Geburtstag

Heute vor zwei Jahren habe ich den ersten Post dieses Blogs geschrieben. “Dieses Blogs” ist geschummelt: den ersten Artikel dessen, was dann zu diesem Blog geworden ist.

Ich habe damals mit einer Software gespielt, die mit einem neuen iMac daherkam. Nach der Arbeit, also noch Kartellrecht im Kopf. Wenn schon aufschreiben, warum dann nicht auch speichern. Wenn schon speichern, warum dann nicht auch ins Netz stellen. Über iWeb plus Mobile.me ging das wie von alleine.

Das war die Geburt des “Kartellblog.” Irgendeinen Namen musste das Ding ja haben.

Erste feste Bissen

539 Posts später weiß ich, dass auch im Internet der Appetit mit dem Essen kommt. Zeitweise hatte ich dieses Blogdingens sogar völlig vergessen.

Dann aber ein wie immer berechtigter Kommentar meiner Frau: “Jump or don’t”. Wenn ich diesen Artikel gekannt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht gesprungen. Trotzdem hat Kartellblog. eine Richtung eingeschlagen, die Mark Herrmann dort so beschreibt:

Blog for love, not for money. At least, that’s why I do it. But then again, I’m a fool.

Warum Kartellblog.? Ich wollte das Blog zum Kartellrecht machen, das ich selbst gern lesen würde, das es aber nicht gab. Informativ, aber nicht detailversessen, seriös, aber nicht akademistisch, anwaltlich, aber ohne Popanz. (Juristische Newsletter, bei denen selbst die popeligste Mikroinformation zu einer aktuellen Entwicklung noch mit dem dringlichen Aufruf daherkommt, die Unternehmenspraxis sei umgehend anzupassen oder es drohe der sofortige Unternehmenstod, auch die überleben in meiner Inbox nicht lange.) The jury is out.

Erste Zähne

Im Sommer 2009 kam ich zufällig zu WordPress.com und bin ein Jahr lang dabei geblieben. 2010 habe ich das Blog zu WordPress.org umgezogen. Und nach zwei Griffen ins Klo fand ich mit All-Inkl einen Hoster, mit dem ich zufrieden bin. Deren Support ist gut; wärmstens empfohlen.

Die Lernkurve war steil. Ich weiss nicht mehr, wie viele Entwürfe wegen Interessenkonflikten im Papierkorb verschwanden und wie viele Plug-ins wieder rausgeflogen sind. Zum Glück bin ich über die Themes von Studiopress gestolpert, seitdem spare ich mir Design- und SEO-Eigengebräu.

Noch ein Tip für Sie. Wenn Sie jemanden dazu bringen wollen, ganz bestimmt ein Blog aufzumachen, dann raten Sie dringend davon ab. Und raten Sie auch zum Verbleib auf JuraBlogs, um die Erfahrung zu ersparen, dass es problemlos ohne geht. Wie Seth Godin das gestern ausgedrückt hat:

Sure, go ahead and test what’s testable. But the real victories come when you have the guts to launch the untestable.

Gehen üben

Zum PEKiP des Kartellblog. schweigt sich Kartellblog. vornehm aus, aber wie die Bloggerei im Alltag funktioniert, habe ich einmal so beschrieben, und das ist noch immer so:

Die Idee zu einem Artikel habe ich meistens auf dem Weg vom Kindergarten, wo ich meine Töchter um 7.30 Uhr abliefere, zur Arbeit. Das sind etwa 20 Minuten Anfahrt: Sie wollen gute Posts lesen? Dann hoffen Sie auf Staus. Bis der tägliche Wahnsinn beginnt, gibt es dann ein Zeitfenster von etwa 20 bis 30 Minuten. Wird da nicht gedraftet, gibt es noch die Mittagspause am Schreibtisch mit Pizza, dann den Abend. Viele Artikel schreibe ich am Wochenende vor, man weiß so in etwa, was in der kommenden Woche im Kartellrecht passieren wird … Daneben habe ich Zugfahrten und Wartezeiten an Flughäfen und in der Autowerkstatt schätzen gelernt. Vermutlich können Sie am Stil und der Zahl der Tippfehler ablesen, in welchem dieser slots ein Post entstanden sind.

Twittern lernen

Im Oktober 2009 kam für das Blog ein Twitter-Account dazu (später ein Seite auf Facebook, von der ich aber nicht überzeugt bin).

Ich oute mich mal. Ich kannte Twitter bis dahin nicht. Aber die Blogosphärenapotheotiker waren voll des Lobes, also habe ich auch das mal ausprobiert. Zu Beginn nur passiv, als Abladestation für neue Posts, bis der Groschen fiel. Wenn es Twitter nicht gäbe, müsste man es erfinden. Heute gehören Blog und Twitter für mich fest zusammen.

Dabei haben sich Kartellblog. im Blog und auf Twitter unterschiedlich entwickelt, bereits wegen der Sprache. Das Blog ist und bleibt auf Deutsch, aber Nischenwissenschaften wie das Kartellrecht haben es in Deutschland nicht so ganz leicht. Für die Bloggerei ist das OK, auf Twitter geht man aber einfach unter. Dabei sind nur wenige Rechtsbereiche so stark internationalisiert wie das Kartellrecht. Daher gönne ich mir auf Twitter einen Schuß Englisch.

Krabbelstube

Dabei hat sich mein Verständnis von (und für) Social Media geändert. Den (vorerst?) letzten Schub gab es dafür im Sommer 2010, als die Kartellrechtler-Sektion der ABA das Web 2.0 für sich entdeckte.

Irgendwie fiel denen mein Twitter-Account auf, Kartellblog. wurde fleißig durch Google.translate geschoben, man bat um Mitarbeit, offenbar waren Freiwillige rar. Sehr gerne. Ich habe interessante Anwälte kennengelernt, twittere zusammen mit anderen für ABASALtweets und ABASAL_UCC und ko-koordiniere die Social Media Strategy Group der Sektion.

Dort habe ich mit Twitter etwas kennengelernt, was ich nicht richtig beschreiben kann. Vielleicht würde ich es community building nennen, wenn das nicht so pathetisch klingen würde. Ich bin jeden Tag wieder erstaunt, wie viele Leute es irgendwo da draußen gibt, die sich für ähnliche Themen interessieren und sich Initiativen freudig anschließen. Und immer häufiger finde ich meine Blog-Themen dort.

Happy Birthday

Das Wichtigste zuletzt. An Sie vielen herzlichen Dank für Ihr Interesse am Blog, trotz Pannen und Gemurks. Und wenn Sie im Kartellblog. Fehler finden, behalten Sie sie nicht, sondern greifen sie hier oder da in die Tasten. Tut nicht weh.

Foto: Wikimedia Commons.

Kommentare

  1. Karteller meint

    Das passt schon alles so. Wohltuende Abwechselung zu WuW & Co. Frage mich nur immer, woher Sie das Zeug alles her haben.

  2. LichtBlicker meint

    Ein “Happy Birthday!” auch von mir. Und das längst überfällige Lob hinterher: Spannende, aktuelle Themen, gepaart mit einer erfrischenden Diktion -> Nice Job!

  3. Anwalt meint

    Auch von mir Glückwunsch an den Blog.

    Meine Anregung wäre: Schreiben Sie doch mehr über das Ausland, ist auch interessant.

    • meint

      Danke für die Anregung. Die Posts zu ausländischen (ex-EU) Themen, die bisher im Blog waren, sind Ladenhüter. Offenbar interessieren nur fusionskontrollrechtliche Beiträge noch weniger. Aber ich werde das im Auge behalten.

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