Off topic: Facebook & Co. meet Nova et aucta orbis terrae descriptio

Zahlen sagen viel über soziale Netzwerke, aber eben nicht alles. Karten dagegen bilden ihre Zeit ab mit einer Totalität, die alle Traktakte und Zahlenwerke zusammen nicht haben. Menschen verlassen sich auf Karten und navigieren mit ihnen. Zum Beispiel mit der Nova et aucta orbis terrae descriptio des Gerhard Mercator, deren Reproduktion hier neben meinem Schreibtisch hängt.

Angeblich fanden ptolomäische Karten – die falsch waren, man wollte die Fortentwicklung des antiken Wissens in der islamischen Welt nicht wahrhaben – im späten Mittelalter rasende Verbreitung. Wie die Karten von heute? Sie spulen binnen weniger Stunden um die Welt. Sie werden von Praktikanten gemacht, die Zugang zu den Datenbank der Facebooks dieser Welt haben. Wie diese hier, zu der ihr Schöpfer sagt:

What really struck me, though, was knowing that the lines didn’t represent coasts or rivers or political borders, but real human relationships. Each line might represent a friendship made while travelling, a family member abroad, or an old college friend pulled away by the various forces of life.

Das sagt Paul Butler (“Visualizing Friendships“) über sein Werk. Er ist intern bei Facebook und hatte anscheinend zu viel Zeit. Er hat einen Plotter mit einem Daten-Sample von Facebook über den Ort von rund 10 Mio. Freundespaaren gefüttert. Das Ergebnis sieht so aus:

Ich finde, großartig (für high-res auf das Bild klicken). Die offline-Welt und ihre politische Parzellierung ist dort nahezu vollständig abgelöst von der Interaktion zwischen Menschen als alleinigem Maßstab. Genau so, wie auch alltägliche Arbeitsprozesse heute funktionieren: eine kurze interne Durchwahl, und binnen einer halben Stunde steht ein Team von Shanghai bis Mexico City. Menschen, deren Stärken und Schwächen man kennt und denen man vertraut, egal, auf welchem Kontinent ihr Rechner steht. Die Kartographie von heute.

Bildquelle: academic.ru.

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Kommentare

  1. studi sagt:

    Sehr schöne Karte mit Facebook. Was ist mit China? Alles leer?

  2. Florian Prischl sagt:

    Ich fand die Karte ebenfalls faszinierend, und die Abwesenheit Chinas traurig. Was für mich aber auch sehr interessant war, ist die sehr deutlich sichtbare niedrigere Verbreitung von Facebook in Deutschlands neuen Bundesländern, aus denen Berlin als heller Punkt heraus sticht. Die Dichte in Tschechien, der Slowakei und Ungarn ist ungleich höher.

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