Off topic: Twitter – von wegen banal!

Es ist Mittag, ich sitze im Zeitloch: eine Viertelstunde ohne Termin und Deadline. Was hätte ich vor einem Jahr getan? Beim Espresso einen Blick in die Zeitung geworfen. Was mache ich heute? Ich werfe den Blick auf Twitter. Mal sehen, was los ist: Wall Street Journal, Neue Zürcher, FT, New York Times. Ein Urteil des BVerfG. News der ABA. Was wird zum Kartellrecht geschrieben. Was treibt die muntere Schar der Euroblogger, die sich der Beobachtung der EU-Institutionen verschrieben hat.

Twitter hat meine Gewohnheiten, wie ich mich informiere, geändert. Der Satz geht mir als digital immigrant nicht leicht über die Lippen. Aber er stimmt, eben am Rechner, sonst am Blackberry. Und er stimmt nicht nur bei mir:

Der Redaktionsblog der SZ/jetzt.de hatte gestern einen interessanten Artikel unter dem Titel “Sie werden diesen Prozess nicht stoppen” zum Thema, wie Twitter den Journalismus verändert (wo gesehen? Auf Twitter natürlich). Es geht dem Autor um das neue Twitter, aber im Kern dreht sich sein Artikel um die Twitter-Welt, wie sie real existiert:

… während es in Deutschland zur Banalität der Twitter-Nutzer, die peinliche Banalitäten verbreiten (sogenannte Oversharer), medienphilosophische Debatten gab, hat sich der Dienst … verändert: Dadurch, dass zahlreiche bekannte Menschen, die etwas zu sagen haben (Journalisten, Wissenschaftler, Musiker und auch Stars und Sternchen) Twitter nutzen, um relevante kurze Hinweise zu verbreiten, hat sich ein eigenes Twitter-Universum entwickelt, das mit den belanglosen Alltagsbefindlichkeiten der Oversharer wenig gemein hat. Viele Menschen nutzen den Dienst also mittlerweile nur lesend wie eine kostenfreie Presseschau, die sie auf ihre individuellen Interessen zuschneiden. Sie folgen dann Medien, Journalisten und Experten, die zu den Themen eines bestimmten Fachgebiets schreiben. Und dank der zahlreichen Dienste, die rund um Twitter entstanden sind, können sie auch über das Mobiltelefon auf dem Laufenden bleiben.

So ist das, auch für Anwälte. Obwohl sich Twitters Penetrationsrate unter Anwälten in Grenzen hält, es mit dem Tweeten im “Fachgebiet” also noch nicht weit her ist. Weil Twitter eine Quasselbude ist, dort auch Nonsense zu lesen ist? Ich habe noch keine Zeitung gelesen, die mich von der ersten bis zur letzten Seite interessiert hätte. Bei Social Media ist das nicht anders. Und niemand muss den Nachrichten eines Twitterers folgen, wenn dessen Tweets nicht gefallen. Den Überblick behält man mit Listen.

Ende der Kaffeepause. Aber erst noch ein Blick auf die Tweets von Betriebsberater und ZIP.

PS Henning Krieg hat sich das Twitter-Verhalten deutscher Anwälte näher angesehen. Hat mir gut gefallen, vor allem der letzte Satz.

PPS In der Ausgabe des “Legal Technology Survey Report” für 2010 (kostenpflichtig) erfasst erstmals die American Bar Association, welche Social Media US-amerikanische Anwälte nutzen. Laut einem Bericht im Netz (ich kenne die Survey nicht) mit diesem Ergebnis:

  • LinkedIn: 83 %
  • Facebook: 68 %
  • Plaxo: 18 %
  • Martindale-Hubbell Connected: 4 %
  • LawLink and Twitter: je 2 % (!)
  • Avvo, LegalOnRamp und LegallyMinded: je 1 %

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