Ich werde in diesem Post sammeln, nicht, was es in letzter Zeit über Blawgs zu lesen gab, sondern was ich lese und mir gefällt. Weil es gut geschrieben ist und/oder den Intellekt in Wallung bringt. Eine unverhohlen subjektive Auswahl also. Und eine zweite Einschränkung: Ich bin kein hardcore blogger und bekomme nur mit, was in den gängigen Feeds steht oder sonst ziemlich offensichtlich durch die Welt fliegt.
Warum sammeln? Der Einfachkeit halber. In den letzten Tagen wurde viel über die juristischen Blogs Deutschlands philosophiert. Ich blogge noch nicht lange und nehme dieses soul searching vielleicht deswegen interessiert wahr; staune auch darüber, wer sich daran wie beteiligt.
Mir wird gesagt, solche Phasen der Bauchnabelschau kommen und gehen. Und mag sein, vielleicht geht die Anwallung von Reflexivität auch einfach nur darauf zurück, dass die Existenz von Blawgs sich in der Breite herumgesprochen hat. Dass die Verbindung zwischen Blogwelt und Journalismus immer enger wird. Dass Kanzleien eine Web- und Social Media-Präsenz aufbauen wollen bzw. müssen, und dass Blogarchitekturen sich dafür, je nach Kanzleizuschnitt, gut eignen können. Aber dass es offenbar erstaunlich viele Blogger gibt, die sich über ein und dieselben Dinge ärgern, obwohl diese für das Gesicht der deutschen Blawgosphäre prägend sind.
In diesem Sinn:
- spill-over in die Tagespresse? Handelsblatt, 29. Juli 2010, S. 56 unten: “Anwälte bloggen um die Gunst der Mandanten”. Erwähnt RAINBRAUN (“brachte ihr später als Anwältin auch Mandate ein”), widmet zwei von fünf Spalten dem Steuerboard des Handelsblatts, erklärt nicht den Untertitel (“Nicht immer erzielt der Auftritt die gewünschte Wirkung”).
- kriegs-recht.de, 28. Juli 2010: “5 Gründe, warum juristische Blogs keine Chance in Deutschland haben – eine Provokation”. Die Provokation ist Krieg auch sprachlich gut gelungen. Ich bin mir sicher, dass die deutsche Blawglandschaft sich aus eigenem Antrieb ausdifferenzieren und dadurch weiter an Attraktivität gewinnen wird. Die Auflösung des Rätsels (Krieg? ein Blogskeptiker?) kam hier. Dazu beck-blog (“Juristische Blogs in Deutschland chancenlos?”) mit beck-blog als leuchtendem Gegenbeispiel; martin-neldner.de (“Juristische Blogs haben doch eine Chance …”) sagt, es gibt zu wenig Blogs; Internet-Law (“Keine Chance für BLAWGS?”) zum Randthema Wissenschaft und Blawgs; Telemedicus (“Chancen von Jurablogs: Ein Debattenbeitrag”) blickt für Jurablogs mit kleinem “b” in die Zukunft und fordert, Bloggen “muss sich lohnen”; Social Media Recht Blog (“Antwort auf: 5 Gründe, warum juristische Blogs keine Chance in Deutschland haben – eine Provokation”): bescheiden nur in der Anmutung, gedankenreich analysiert
- angeregt von FAZ.NET: Juristischer Gedankensalat (“Wo sind die Studentischen Blawgs?!”), ViaJura (“Die Blawgszene & Studentische Blawgs”) und Rechtverkehrt (“Da komm’ ich grad’ nicht so gut drauf klar!”). Dort klingt ein nur scheinbar trivialer, aber wichtiger Punkt an: Selbstverständlich googeln Arbeitgeber nach der elektronischen Vita von Bewerbern. Viele der in diesen Posts genannten Studentenblogs kannte ich nicht, danke dafür. Es ist die Rede von Vernetzung. Ich bin gespannt.
- der Auf- und Anreger: FAZ.NET, Katja Gelinsky, 18. Juli 2010: “So wahr mir Blog helfe”. Gelinskys Vergleich zwischen SCOTUSblog und Verfassungsblog war etwas unfair, auch schief, aber der Befund ist insgesamt natürlich richtig und bemerkenswert. Dazu ferner-alsdorf.de (“Warum deutsche Juristen nicht gerne bloggen…”); ich zu ferner-alsdorf.de (“Nicht Gackern, sondern Eier legen”)
- zwei für sich genommen harmlose Artikel in der allgemeinen deutschen Anwaltspost: Anwaltsblatt, Mai 2010, Maximilian Steinbeis: “Nicht nur für Computerfreaks. Warum immer mehr Anwälte bloggen und was sie davon haben”. Thanks for the mention. Und BRAKMagazin, Wolf Albin, 15. April 2010, : “Alles, was Blog ist. Was Anwälte im Netz zu sagen haben”. Wenn ich meinen Bekanntenkreis ansehe (ja, ich weiß), haben viele gestandene Juristen erst durch diese Artikel von Blawgs erfahren.
Und zum Vergleich, für mich die Referenzklasse: Mark Herrmann, Litigation, Winter 2010, “Memoirs of a Blogger” (Link über das WSJ), dazu Drug And Device Law (“A Fool’s Paradise”). Aus meiner Sicht die mit Abstand klügste Darstellung der juristischen Bloggerei, die ich kenne. Kennen Sie eine bessere?
[29. Juli 2010: überarbeitet und aktualisiert.] [30./31. Juli 2010: aktualisiert.]

[...] least, der Kollege Johannes Zöttl hat im Kartellblog die persönliche Übersicht zum Thema „Was es über juristische Blogs so zu lesen gibt (TBC)“ zusammengetragen. This entry was posted in Allgemeines. Bookmark the permalink. ← [...]