Die britische Kartellbehörde – Office of Fair Trading (OFT) – hat ihren Jahresbericht veröffentlicht (“Annual Report 2009-10″). In dem Bericht stehen die Dinge, die man von einem Jahresbericht erwartet. Zum Beispiel, dass vom 1. April 2009 bis zum 31. März 2010 Bußgelder von insgesamt £ 197 Mio. verhängt wurden.
Begleitend legt die OFT eine recht zweifelhafte Schätzung der finanziellen Vorteile vor, die dem britischen Verbraucher durch das Wirken der Kartellbehörde entstanden sein sollen (“Positive Impact 09/10. Consumer benefits from the OFT’s work”). Genauer, es handelt sich um eine ökonometrische Berechnung der
direct financial benefits to consumers from OFT’s work on competition enforcement, consumer protection, mergers and markets work over the three year period 2007-08 to 2009-10.
Es seien dies £ 359 Mio. gewesen, im jährlichen Durchschnitt 2007 bis 2010. Einzelheiten der Methodologie ergeben sich aus einem dritten Papier, “A guide to OFT’s impact estimation methods”.
Ich halte das für absurd. Die Methodik trieft vor Annahmen. Beispiel:
an increase in manufacturer competition that results in lower wholesale prices is assumed in turn to result in lower retail prices and is treated as a direct benefit.
Oder zur Berechnung des Schadens durch Kartelle (overcharge) auf der Zeitschiene
by multiplying the annual impact by the number of years we believe the cartel may have remained operational, but for the OFT’s intervention
und der Höhe nach (um welchen Betrag erhöhen sich die Preise durch ein Kartell?):
Where hard core anti-competitive practices involve, for example, pricefixing, market sharing or bid-rigging and case specific information is not available, we adopt the estimated price rise of 15 per cent as the default.
Derartige Annahmen sind in der internationalen Diskussion heftig umstritten. Eine Kartellbehörde (bzw. ihre PR) macht sich für meine Begriffe mit solchen Zahlenspielen ohne Not angreifbar. Würden Sie eine ähnliche Schätzung für das Bundeskartellamt sehen (und dafür bezahlen) wollen?
PS: Die von der OFT verursachten Verwaltungskosten setzt der Bericht mit £ 37 Mio. an. Die Kosten der Studie sind nicht ausgewiesen.
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