Gestern kam über den Blog eine dieser E-Mails an, bei denen ich mich frage, wozu im Blog eigentlich eine Kommentar-Funktion gibt. “Ist der Kartellblog. erfolgreich?” Ehrliche Antwort: Ich habe keine Ahnung: define “Erfolg”. Aber die Frage kam von einer Anwältin, die mutig genug ist, einen regulatorischen Blawg starten zu wollen. Daher der Versuch einer offenen Antwort.
Statistik
Sie wissen aus Fusionskontrolle für Dummies, dass ich einen Zahlen-Tick habe. Daher Statistik, beginnend mit Null. Viele Blawger starten ihren Blog mit E-Mails an Bekannte und Kollegen, um auf den Launch aufmerksam zu machen. Das habe ich nicht getan, nicht aus Überlegung, sondern weil mir der Gedanke nicht kam. Ich dachte mir, mal sehen, ob “sowas läuft”. Kartellblog. war greenfield. Mit Wochen, in denen es mal hier und mal da einen Seitenaufruf gab. Dann bin ich über JuraBlogs gestolpert: Sie sehen, juristisches Blogging war Neuland für mich. Bei allen Vorbehalten gegen diesen Aggregator, er hat mir sehr geholfen. Der Appetit kam beim Essen. Ernsthaft poste ich im Blog seit etwas über einem Jahr.
Jetzt wirklich, Statistik
- Zur Zeit liegt Kartellblog. an Wochentagen irgendwo zwischen 450 und 800 Seitenaufrufen (wobei ich darüber staune, wie weit die Angaben im Statistik-Plugin bei WordPress von denen bei Woopra abweichen). Die Klicks gehen bei off topic-Posts nach oben, bei technischen Posts nach unten. Aber zu viel off topic verwässert das Blogprofil, obwohl es mich häufig in den Fingern jucken würde.
- Kartellblog.-Leser ehren ihre Mittagspause. Die Spitzen der page views liegen im Tagesverlauf meistens in der Gegend um 10.00 und 14.30 Uhr, nach 12.00 Uhr sackt die Besucherzahl erst mal ab.
- Die durchschnittliche Besuchszeit ging zurück, seitdem ich die Startseite von Volltext auf Auszüge aus Posts umgestellt habe. Das war dennoch überfällig. Mich stört es, wenn ich in Blogs ewig scrollen muss, bis ich auf das stoße, was mich wirklich interessiert.
- Referrer: Die weitaus meisten Besucher kommen direkt in den Blog, ich nehme an, über Bookmarks. Im kleinen Rest hat JuraBlogs die Nase etwas vor Google. Twitter ist für Kartellblog. als Referrer nahezu bedeutungslos. Facebook ist mir unheimlich, ich nutze es
nicht mehrtrotzdem. - Die Zahl der RSS-Feeds ging 2010 plötzlich (was ich nicht wirklich verstehe) nach oben und liegt zur Zeit bei etwas über 100.
- Wer sind die Nutzer? Das frage ich mich auch. Viel Besuch bekommt der Blog offenbar aus den unübersehbaren Weiten des Telekom-Netzes, von Universitäten und, das überrascht mich, Kanzleien, hauptsächlich den großen Namen.
- Im Juni 2010 hatte der Blog 11.300 Seitenaufrufe, laut WP Site Stats. Beim Blogumzug zu WordPress.org ging die alte Statistik leider verloren. Daher kann ich hier keines dieser hübschen Diagramme einbauen, die man in Blogs manchmal sieht, mit von Monat zu Monat nach oben zeigenden Besucherzahlen. Die so aussehen wie die Perspektive auf Wirtschaftswachstum zu Zeiten Ludwig Erhards. Die Tendenz ist gemächlich steigend.
Statistik und Erfolg oder Misserfolg?
Selbst 800 Seitenaufrufe am Tag sind nicht viel. Mir ist aber klar, dass für einen Blog zu einer juristischen Spezialmaterie die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Zumal dann, wenn die Musik dieser Materie, wie im Kartellrecht, eine internationale ist, und der Blawg sich den Luxus erlaubt, auf Deutsch zu erscheinen. Ich bin zufrieden, sehe aber noch Potential.
Ziele und Nicht-Ziele
“Erfolg” am Maßstab der Ziele? Ich habe es angesprochen: Ich bin in die Bloggerei hineingerutscht. Also so zum Blawg gekommen, wie man es nicht machen soll. Keine Strategie, kein Konzept. An Zielen gemessen, kann ich die Frage nach dem Erfolg von Kartellblog. daher nicht wirklich beantworten. Die Sache hat sich so entwickelt, wie Sie sie vor sich sehen, aus Lust an der Tollerei. Meine kurz- und langfristigen Ziele sind dementsprechend simpel.
Doch eines vorweg, weil es immer wieder angesprochen wird: Wer blogt, um Mandate zu gewinnen, sollte jedenfalls dann die Finger davon lassen, wenn er Anwalt in einer wirtschaftsberatenden Kanzlei ist. Das wird nicht klappen. Ich glaube nicht, dass ein Blawg die Selektionskriterien von Unternehmen für externe Berater adressieren kann. Das vorweg, aber nur kurz, weil es Kartellblog. nicht um Marketing geht. Ich bin der festen Überzeugung, dass proprietäre Großkanzleiblogs, so sie denn wirklich Blogs sind und nicht nur channels, in der deutschen Blogosphäre zum Scheitern verurteilt wären. Als Partner einer Großkanzlei habe ich marketing tools und nutze sie, der Blog gehört nicht dazu. Auf die Frage nach dem “Marketing”erfolg von Kartellblog. ist daher jede Antwort falsch, weil die Frage falsch gestellt ist.
Ein kleines Ziel
Zurück zu Zielen, kurzfristig: Mir in meinem Tagesablauf ausreichend Reserve zu halten, so dass ich zu einem aktuellen Thema posten kann, wenn ich es möchte. Dieses Ziel ist klein, aber zu Anfang der Bloggerei war mir nicht klar, dass es stets im Begriff, furios zu scheitern; Mandat geht vor.
Die Idee zu einem Artikel habe ich meistens auf dem Weg vom Kindergarten, wo ich meine Töchter um 7.30 Uhr abliefere, zur Arbeit. Das sind etwa 20 Minuten Anfahrt: Sie wollen gute Posts lesen? Dann hoffen Sie auf Staus. Bis der tägliche Wahnsinn beginnt, gibt es dann ein Zeitfenster von etwa 20 bis 30 Minuten. Wird da nicht gedraftet, gibt es noch die Mittagspause am Schreibtisch mit Pizza, dann den späten Abend. Viele Artikel schreibe ich am Wochenende vor, man weiß so in etwa, was in der kommenden Woche im Kartellrecht passieren wird. Am Wochenende geht aber die Technik vor, Updates, fixes und auf Dilettantenebene ein klein wenig SEO; während der Woche habe ich für Technik den Kopf nicht frei. Daneben habe ich Zugfahrten und Wartezeiten an Flughäfen und in der Autowerkstatt schätzen gelernt. Vermutlich können Sie am Stil und der Zahl der Tippfehler ablesen, in welchem dieser slots ein Post entstanden sind.
Große Ziele?
Und langfristig, als Spiegel des “Erfolgs”? Ich weiß es nicht. Mir würde Kartellblog. wohl besser gefallen, wenn er eine offene Plattform wäre (mit Vorbehalten). Mir fehlt schlicht die Zeit, um den Themen, zu denen ich poste, wirklich auf den Grund zu gehen. Und eine ganze Reihe interessanter Themen fällt conflicts zum Opfer. Das ist der eine Gedanke, der andere geht in Richtung Inhalte. Entstehung und Idee des Blogs gingen dahin, zu aktuellen Themen zu posten, mit denen ich mich ohnehin beschäftige. Es könnte aber sein, dass mir die Aktualitätshuberei langweilig wird. Vornehmer ausgedrückt, dass sie den Zeitaufwand angesichts der vielen Recherche-Tools, die es für jeden Internetnutzer gibt, nicht mehr rechtfertigt. (Ich selbst bin zur Zeit dabei, Netvibes nochmal eine Chance zu geben und Twingly zu entdecken.)
Nur bei einem bin ich mir sicher. Ich werde auf jeden Fall vermeiden, auch um den Preis, die Bloggerei sein zu lassen, dass Kartellblog. zum Mühlstein um meinen Hals wird. Ich habe dazu einmal getwittert. Prompt kamen Rückfragen, ob ich ans Aufhören denke – nein. Der Blog ist aus Spaß am Kartellrecht geboren, das wird trotz aller Begehrlichkeiten, die er geweckt hat, auch so bleiben.
So, die Frage nach dem Erfolg des Kartellblog. war privat, die Antwort ist es nicht. Viele Blogleser kommen täglich auf den Blog. Ich dachte mir, dass ich Ihnen diese Auskunft schulde. Eigentlich wäre an dieser Stelle der nächste Fusionskontroll-Dummie (Umsatzschwellen FKVO) an der Reihe gewesen. Der Post folgt am nächsten Freitag.
Ihnen ein entspanntes und erholsames Wochenende. Mögen Sie Regen?

Vielen Dank für den Blick hinter die Kulissen. Aus Spaß zu einem anderen Rechtsgebiet – Urheberrecht – habe ich neulich einen Blog in meiner Muttersprache Lettisch angefangen. Die Statistik, die Sie hier offen legen, beruhigt. Ich glaube, dies ist auch eine Erklärung dafür, warum es auf Deutsch so wenige und in Lettland etwa keine Blawgs gibt. Entweder macht es einem Spaß oder man muss zu allen möglichen Themen schreiben. Ich finde spezialisierte Blawgs besser, da man weiss, was man zum Lesen bekommt und keine Verwässerung fürchten muss.
Ihren Blog lese ich sehr gerne und finde immer wieder interessante und für meine Dissertation nützliche Posts. Auch das neue Layout ist sehr schick. Viel Spaß weiterhin!
Danke!
Machen Sie einfach so weiter, wie gehabt. Ich bin einer der “Täglichen” und fühle mich sehr gut informiert.
Merci für die Blumen.