Habe das nie so gesehen, sonst säße ich nicht hier, aber heute kam ein Bewerber auf das Thema Kartellrecht und Langeweile. Sicher, man braucht Zeit, um sich in die Sache hineinzufinden, davon kann ich ein Lied singen. In der Ausbildung lernt man die kartellrechtliche Denke nicht; in den Büchern steht von den Dingen, auf die’s in der Praxis ankommt, herzlich wenig; man hat viel mit Zahlen und Fakten zu tun; manches wirkt auf den ersten Blick esoterisch. Und man muss Spaß daran haben, Unternehmen als Mandanten zu haben.
Aber welcher Anwalt hat sein Rüstzeug in der Universität gelernt? In welchem Rechtsbereich ist man so nah am wirtschaftlichen Kern wie im Kartellrecht? Welche Wirtschaftsberatung ist auch nur ähnlich international? Und wo sonst lernt man täglich etwas über die Welt dazu und wird sogar dafür bezahlt? Bei aller Sympathie für Branchenspezialisierung im Kartellrecht: Heute Telekommunikation, morgen geht’s darum, wie ein Auto funktioniert und bepreist wird. Wer weiß, was als nächstes kommt; Spracherkennungs-Software, Feinmechanik, Rohöl?
Also, manchmal etwas abgedreht: ja. Langweilig? Ganz bestimmt nicht.

Kommentare