Anwalts-Blogs

Die Schlagzeile

Im Urlaub habe ich nur die Schlagzeilen verfolgt. Unternehmensjuristen nutzen bei Entscheidungen über die Mandatierung verstärkt auch Blawgs (z.B. bei Law360). Das Ganze war vielfach aufgemacht als Lobgesang auf Anwalts-Blogs als Marketingtool.

Ich war peinlich berührt und bekenne freimütig: Kartellblog. hat zu keiner Mandatierung geführt. Darum geht es ihm auch nicht. Egal, wo man hinguckt. Blogger verströmen Skepsis, was die Tauglichkeit ihrer Blogs für die Mandatsgewinnung betrifft.

Warum? Ich kann natürlich nur für meinen Blog sprechen, aber ich kann andere Blawgs lesen. Und denke dabei, gute Blogger sind vor allem Leute, denen die Kombination aus Inhalt und IT Vergnügen macht. Auch wenn den Inhalt die Zeit drangsaliert, weil man sie selten hat, um Themen so auszuschürfen, wie sie es verdient hätten. Auch wenn Technik wie im Kartellblog. eher den dilettierenden Umgang mit Dingen meint, die im Zweifel nicht so wollen, wie sie sollen.

Idealiter also Leute, die gerne schreiben, vielleicht sogar gut, und sich an Diskussionen beteiligen; andernfalls entfließt Blogs die öde Soße der Nachrichtelei. Ich denke, man kann es Anwalts-Blogs ansehen, ob sie von camoufliertem Marketinggelüst durchtrieben oder getrieben sind vom Spass an der Freud.

Ein Einwand, der gilt: Ich bin Partner einer Sozietät und für mein Marketing auf Kartellblog. nicht angewiesen. (Den zweiten Einwand, dass es an Kartellblog. liegen wird, wenn Kartellblog. nicht zu Mandaten führt, den wische ich gleich mal von der Hand.)

Es gibt aber einen einfachen Test: Welche Blogs liest man denn selbst? Im Zweifel solche, bei denen die Persönlichkeit des Bloggers eine gewisse Gewähr dafür gibt, dass Auswahl und Aufbereitung der Themen stimmen. Mit der Auswertung bin ich dann manchmal d’accord, manchmal nicht. Aber ich fühle mich gut informiert.

Für mich persönlich sind im Kartellrecht TOTM und Chilling’Competition von dieser Sorte. Off-topic halte ich Watching Europe, den Verfassungsblog und die meinungsstarken Herren Professoren von der Wirtschaftlichen Freiheit für gute Beispiele gerade dort, wo ich ihre Ansichten nicht teile. Ich würde diese Blogs nicht lesen, hätte ich das Gefühl, wirtschaftlich an die Kandare genommen zu werden.

So wenig es die Welt zur Strasse macht, dass man ein Auto fährt, so wenig macht es Blogs zum client development tool, dass sie potentielle Mandanten zum Leser haben. Offenbar gibt es aber einen wichtigen Unterschied, ob man bloggt oder mit einem Ziel im Auge marktforschend über Blogger schreibt.

Der Artikel

Nach dem Urlaub habe ich mir die Studie angesehen; sie ist hier abrufbar. Greentarget Strategic Communications, ALM Legal Intelligence und Zeughauser Group haben US-Justiziare nach ihrem Umgang mit der elektronischen Welt befragt.

Ich finde die Ergebnisse einigermaßen unspektakulär. Und jenseits des social media hype – neben Blogs ging es um Facebook, Twitter, LinkedIn & Co. – eher nüchtern.

Zum Beispiel nutzt die Mehrheit der Befragten nach wie vor traditionelle juristische Informationsquellen; wie auch anders. Doch überwiegend in elektronischer Form. Das sagt viel aus über Vertriebskanäle, aber wenig über die Struktur von Kommunikation.

In diesem Sinn aus der Zusammenfassung von “Corporate Counsel New Media Engagement Survey”:

Are in-house counsel frequenting legal and business focused blogs, as well as micro-blogging platforms like Twitter, to stay informed? Are they using tools such as LinkedIn, Martindale-Hubbell Connected, and Legal OnRamp to deepen their professional networks and engage new communities? On a more personal level, are they using social networking sites like Facebook to stay connected with friends and family? And more importantly, how do they expect their use of–and general attitudes toward–social media to change in the future?

The answer to all of these questions is, if not a resounding ― yes, then at least a steady affirmation. Almost half of the survey’s respondents use LinkedIn, and 68 percent use Facebook, although, for the time-being, the latter primarily for personal instead of professional reasons [sic]. Blogs are an increasingly preferred mechanism for obtaining business and legal industry information, and among the most surprising findings of the research: corporate counsel now are getting more of their business- and legal-industry related information online than from traditional print sources [siehe oben].

Now, back to antitrust.

* Danke an Steinbeis für die wohlwollende Erwähnung.

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Kommentare

  1. Merci für die freundliche Erwähnung – war erst verwundert, mich in einem Post über Anwalts-Blogs erwähnt zu sehen. ;-)

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