Nein, das ist kein Artikel über Google im Licht und Sonnenschein des Kartellrechts. Sondern “Kartell” gegoogelt, Neugierde gepaart mit Wartezeit am Flughafen. Was ist ein “Kartell”?
Platz 1 unter den Suchergebnissen: Ein Plastikstuhl. “Kartell” meint per Google-Ranking nicht Kartelle, sondern eine Marke der designorientierten Innenausstattung. Wieder etwas gelernt.
Vertrauter dann Rang 2, dort wie auch anders: Wiki. Man lernt (und staunt):
Wirtschaftskartelle der Gegenwart sind somit entweder kriminell oder staatlich gewollte Ausnahmefälle.
Eigentlich wollte ich das kommentieren, aber jetzt fällt mir nur “off topic” dazu ein.
Es folgt die Website des österreichischen Mittelschüler-Kartell-Verbandes. Dieser wirft unter “Über uns” zu Recht die Frage auf: “Du fragst dich, auf was für einer Website du hier eigentlich gelandet bist?” Auf einer mit schiefem tag im title? Suchmaschinenoptimierung?
Aber wir wollen nicht böse werden, sondern halten fest als Lektion 1: Um Schlagkraft zu suggerieren, scheint “Kartell” nichts Schlimmes zu sein.
Der Link auf Platz 4 gelobt Erläuterung: der nächste Versuch einer Begriffsbestimmung, diesmal die Bundeszentrale für politische Bildung. Die Bundeszentrale (bzw. der Duden, den sie dort einlizensiert) macht eine so bemerkenswerte wie in der Praxis in dieser Allgemeinheit durchaus unbekannte Beobachtung:
Die am Kartell beteiligten Unternehmen verpflichten sich in der Regel … zur Zahlung von Vertragsstrafen, sofern gegen Regelungen des Kartellvertrages verstoßen wird.
Der Eintrag nennt Ausnahmen und bezieht sich dabei auf einen Stand des deutschen Rechts (in Gestalt eines “Kartellgesetzes”), der von großem Interesse ist, für Rechtshistoriker. (Ob die Schülerschaft Österreichs Vertragsstrafen zugeneigt ist?)
Sodann ein toter Link zum ZDF und auf Platz 6 ein Artikel der Zeit: Interessant, was dort über Hacker zu lesen ist, aber was Netzkriminalität mit Kartellen zu tun hat, ich weiß es nicht.
Doch soviel ist mir inzwischen klar, Lektion 2: “Kartell” bedeutet, wenn es mehr als einen von einer Sorte gibt, die man nicht so gerne mag (österreichische Schüler ausgenommen).
In den folgenden Rängen wird’s interessanter. Spiegel und Welt zu “Preisabsprachen” (Kaffee, Handel). Zur Erinnerung, bei Kaffee gibt es zur Zeit nur einen nicht rechtskräftigen Bußgeldbescheid. Preisabsprachen verstoßen gegen das Gesetz, richtig. Aber hat sich der Spiegel – “Nach Berechnungen von Verbraucherschützern bezifferte sich der Schaden für sie seit dem Jahr 2000 auf 4,8 Milliarden Euro” – eigentlich die Mühe gemacht, diese Angabe von Seiten der Verbraucherschützer (welcher?) nachzurechnen? Wenn das nachgerechnet wurde, haben die Autoren das Ergebnis geflissentlich für sich behalten.
Entmutigt klicke ich auf die zweite Seite der Suchergebnisse. Dort kommt Freude auf, denn ein interessanter Artikel der Financial Times Deutschland stellt – unter dem treffenden Titel “Der Feind sitzt mitten im Kartell” – dar, dass und warum Kronzeugenprogramme unter den Beteiligten von Wettbewerbsbeschränkungen zu Verunsicherung führen können. Selbst die Anwendbarkeit der Kronzeugenregelung bei vertikalen Wettbewerbsbeschränkungen wird diskutiert. Chappeau.
Doch zu viel Sachnähe tut nicht gut. Das müssen sich die Autoren auf uni-protokolle.de bei ihrer Erläuterung des Begriffs “Kartell” gedacht habe. Dort ist zu lesen, dass es sich bei Kartellen “üblicherweise” um Zusammenschlüsse handelt. Immerhin, “ständische Berufsvereinigungen” seien zwar Zusammenschlüsse, aber keine Kartelle (NB, österreichische Schülerschaft!). Begründung: “Diesen fehlen jedoch Merkmale eines echten [?] Kartells.” Was wirklich noch fehlt ist, dass die Autoren Kartelle in die Zusammenschlusskontrolle schicken.
Und auch das Handelsblatt nimmt zu “Kartell”fragen Stellung: Wir sind wieder beim Thema Design. Jetzt weiß ich, dass die Marke von einem Ex-Versace-Manager auf Vordermann gebracht wurde. Ich verlebe erkenntnisreiche Minuten.
Doch was bedeutet “Kartell” nun wirklich? Am Ende der 2. Seite der Google-Ergebnisse lande ich bei Massaka 36 feat. Killah Hakan und gebe auf. Die Leute könnten bestimmt weiterhelfen, wenn man sie denn verstehen würde. Akustisch, meine ich, denn es handelt sich um Hiphop.
Der Link führt zu einem Video und dem Track “Das Kartell”. Auch wenn ich kein Wort verstehe, die Tonlage ist erbost.
Es scheint sich um einen schlimmen Fall zu handeln, der da besungen wird.

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