Kartellverbote in Kanada: Richtlinien erlassen

Gutes Neues Jahr.

Die kanadische Kartellbehörde (das Competition Bureau) hat die finale Fassung ihrer Richtlinien für die Zusammenarbeit zwischen Wettbewerbern veröffentlicht (“Competitor Collaboration Guidelines”).

Die Richtlinien sind durch Änderungen des kanadischen Kartellrechts (des Competition Act) veranlasst. Neu ist zum Beispiel, dass Kartelle nicht wie bisher ausschließlich strafrechtlich, sondern zukünftig auch zivilrechtlich verfolgt werden können (sog. “dual track”). Außerdem wird es für die strafrechtliche Sanktionierung eines Kartells nicht mehr erforderlich sein, dass das Kartell den Wettbewerb negativ beeinflusst hat (sog. “per se criminal offense”).

Diese und weitere Änderungen werden am 12. März 2010 in Kraft treten. Die Richtlinien sollen den Bedenken entgegensteuern, die die Änderungen des Competition Act in Bezug auf Transparenz und Rechtssicherheit hervorgerufen haben. Hierzu etwa die Kommentare der ABA Antitrust Section zu dem Entwurf der Richtlinien vom Mai 2009.

Die Richtlinien befassen sich mit der Anwendung der beiden Verbote von Wettbewerbsbeschränkungen, die der Competition Act zukünftig bereithält: die strafrechtliche Verfolgung von besonders schwerwiegenden Kartellverstössen nach Subsection 45(1) des neu gefassten Competition Act –

(1)  Every person commits an offence who, with a competitor of that person with respect to a product, conspires, agrees or arranges

(a)  to fix, maintain, increase or control the price for the supply of the product;

(b)  to allocate sales, territories, customers or markets for the production or supply of the product; or

(c)  to fix, maintain, control, prevent, lessen or eliminate the production or supply of the product.

und die “zivil”rechtliche Ahndung gem. Section 90.1 n.F. in Bezug auf

an agreement or arrangement – whether existing or proposed – between persons two or more of whom are competitors prevents or lessens, or is likely to prevent or lessen competition substantially in a market …

Abschnitt 1.3 der Richtlinien erläutert die Ermessensausübung für die Wahl zwischen “criminal or civil track”.

Für Section 90.1 (also nur für das ”zivil”rechtliche, nicht auch das strafrechtliche Kartellverbot) enthalten die Richtlinien als Anhaltspunkte folgende Marktanteilsschwellen (Abschnitt 3.4(b)):

… as a general rule, the Commissioner will not challenge an agreement … on the basis of: (i) a concern related to the exercise of market power by the parties to the agreement where the market share held by the parties represents less then 35% of the relevant market; or (ii) a concern related to a coordinated exercise of market power by firms in the relevant market where the share of the four largest firms in the relevant market is less than 65%, or the share of the parties to the agreement is less than 10% of the relevant market.

Kanadische Kartellrechtler heben hervor, dass die Richtlinien zwar für die Anwendungspraxis der Behörde einen ausgewogenen Kompromiss darstellen, aber für private Rechtsstreitigkeiten die Unebenheiten des neuen Rechts nicht glätten können.

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