Was hat Joaquín Almunia mit der Generaldirektion Wettbewerb vor?

Die Antworten des designierten Kommissionsmitglieds Joaquín Almunia (DG COMP) auf die schriftlichen Fragen des Europäischen Parlaments lassen die Zukunft des europäischen Kartellrechts im Ungefähren. Den Schwerpunkt der Antworten Almunias, der als Nachfolger von Frau Kroes benannt ist, bestimmt erwartungsgemäß das EU-Beihilfenrecht; dort fallen sie deutlicher aus.

Zum Kartellrecht verhält sich das Papier nur allgemein.

Erstens, die harte Hand:

I will … not hesitate to take action against companies or governments when I find evidence of unlawful behaviour – be it anti-competitive agreements between competitors, abusive behaviour by dominant companies, attempts by governments to distort competition in the internal market by means of unlawful State aid, or in case of measures concerning public or private undertakings to which the Member States grant special or exclusive rights. I will prevent mergers when they would significantly impede competition, harming consumers and competitiveness.

Zweitens, mehr Integration.

Kohärenz soll es in der Europäischen Union nicht nur im allgemeinen Kartellrecht, sondern zukünftig offenbar auch in der Fusionskontrolle geben:

I also want to minimise costs for businesses and reduce continuing fragmentation of the internal market. I will therefore push for further coherence and convergence in the antitrust and merger control areas across the EU.

Drittens, à la recherche du “private enforcement”.

Das nicht enden wollende EU-Thema des Schadensersatzes für Kartellopfer ist weiterer Untersuchung vorbehalten, wobei ein Seitenhieb auf Exzesse im US-amerikanischen Rechtssystem nicht fehlen darf:

I intend to explore more in depth the issue of antitrust damages and the compensation of victims, bearing in mind the necessity of safeguards to prevent us from the kind of excessive litigation often experienced in the US.

Viertens, kein “europäisches Kartellamt”.

Der Fragebogen des EP enthielt eine Anlage, in der verschiedene (nicht alle) parlamentarischen Ausschüsse ihre Prioritäten und Forderungen aufgelistet haben. Der Fragebogen forderte die designierten Kommissionsmitglieder dazu auf, für ihren jeweiligen Geschäftsbereich “spezifische Zusagen” zu diesen Prioritäten und Forderungen zu machen.

Der für Wettbewerbsfragen zuständige Ausschuss hielt unter anderem folgenden Punkt fest:

Stellungnahme und Verbesserungsvorschläge in Bezug auf die Trennung der legislativen, exekutiven und investigativen Befugnisse der GD Wettbewerb, um die Übereinstimmung der Wettbewerbsvorschriften mit anderen Politikbereichen (wie Finanzstabilität, Beschäftigung und Industriepolitik) zu gewährleisten; in diesem Zusammenhang Prüfung, ob es zweckmäßig wäre, ein unabhängiges ‘Europäisches Kartellamt’ einzurichten, das für die Durchsetzung der Fusions- und Wettbewerbsvorschriften zuständig wäre.

Das diplomatische “njet” Herrn Almunias überrascht nicht:

I consider the Commission’s institutional set-up and decision-making system for competition to be a very strong one, with guarantees as regards effectiveness, fairness and due process. Having competition policy within the Commission’s portfolio alongside other policies has proven to be crucial and will continue to be crucial in dealing with the financial crisis, where financial policy, smart regulation and effective state aid control must go hand in hand. DG Competition, as an integrated part of the European Commission, can also better contribute to the achievement of other policy objectives, in particular by sharing in-depth market knowledge gained through enforcement, market monitoring and sector inquiries.

Die schriftliche Anhörung der neuen Kommission geht ihrer öffentlichen Anhörung durch das EP voraus, die vom 11. bis 19. Januar 2010 stattfinden wird. Die Abstimmung im EP ist für den 26. Januar 2010 vorgesehen.

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